10.06.2026

Auf ein Kölsch mit…

30 Jahre FRÜH – vom Leiter der Flaschenabfüllung bis in den Ruhestand
Fast 30 Jahre lang hat Bodo Böttcher die technische Entwicklung von FRÜH entscheidend mitgeprägt – vom Leiter der Flaschenabfüllung bis zum technischen Leiter der Brauerei. Angefangen hat alles am 1. Juli 1996 – ausgerechnet an seinem Geburtstag. Damals wurde er von Hannen Alt zu FRÜH abgeworben, weil die Brauerei einen neuen Leiter für die Flaschenabfüllung suchte. Was als neuer beruflicher Schritt begann, wurde schnell zu einer jahrzehntelangen Verbindung mit der FRÜH-Familie.

Bodo, wie bist du damals eigentlich zu FRÜH gekommen?
Das war tatsächlich eine direkte Abwerbung. Ich war vorher bei Hannen Alt tätig, als FRÜH jemanden für die Leitung der Flaschenabfüllung gesucht hat. Das passte fachlich und menschlich offenbar gut. Besonders schön ist bis heute für mich das Datum: Angefangen habe ich am 1. Juli 1996 – also genau an meinem Geburtstag. Damit war der Einstieg natürlich direkt etwas Besonderes. Wenn ich heute zurückblicke, war das damals genau die richtige Entscheidung. FRÜH war schon immer ein Familienunternehmen mit Charakter und das hat man vom ersten Tag an gespürt.

Welchen beruflichen Weg hast du eingeschlagen?
Ich habe ursprünglich ganz klassisch als Betriebsschlosser in der Industrie angefangen. Danach habe ich den Maschinenbaumeister gemacht, später zusätzlich die Ausbildung zur Fachkraft für Arbeitssicherheit und anschließend noch den allgemeinen Betriebswirt. Mir war immer wichtig, mich weiterzuentwickeln und nie stehenzubleiben. Gerade in der Technik muss man bereit sein, Verantwortung zu übernehmen und sich ständig auf neue Herausforderungen einzulassen.

Erinnerst du dich noch an besondere Situationen aus deinen ersten Jahren?
Oh ja – da gab es direkt einige prägende Momente. Kurz vor meinem Eintritt bei FRÜH hatte es einen Staplerbrand mit einem Gasstapler gegeben. Und in meinem ersten Jahr als technische Leitung gab es dann noch einen Kühlschrankbrand im Aufenthaltsraum. Solche Situationen vergisst man natürlich nicht. Gerade deshalb war mir das Thema Sicherheit immer extrem wichtig. Ich hatte außerdem bei einem früheren Arbeitgeber bereits eine Malzexplosion erlebt – mit einem Schaden in Millionenhöhe. Wenn man so etwas einmal gesehen hat, bekommt man einen ganz anderen Blick auf Verantwortung, Sicherheitsstandards und technische Abläufe.

Welche Projekte oder Entwicklungen haben deine Zeit bei FRÜH besonders geprägt?
Angefangen habe ich damals als Leiter der Flaschenabfüllung, später wurde ich technischer Leiter der Brauerei. Besonders prägend war für mich der große Ausbau der Brauerei und die Erweiterung des gesamten Geländes. Die Liste ist lang, denn in meiner Zeit bei FRÜH wurden unter anderem die Flaschenkeller 1 und 2 gebaut – also die große Flaschenabfüllanlage –, außerdem Blocklager, Sortieranlagen sowie zusätzliche Lagerhallen und Vieles mehr. Dazu kam der Erwerb umliegender Industrieflächen. Das Brauvolumen wurde im Laufe der Jahre praktisch verdoppelt – und das nicht nur produktionstechnisch, sondern auch flächenmäßig auf dem gesamten Grundstück. Ich durfte diese Bauprojekte begleiten und betreuen. Genau das hat mir immer besonders Spaß gemacht: Dinge planen, umsetzen und am Ende sehen, wie daraus etwas Dauerhaftes entsteht.

Gibt es einen typischen FRÜH-Moment, der dir bis heute ein Lächeln ins Gesicht zaubert?
Da gibt es gleich mehrere. Ein absoluter Klassiker war immer, wenn externe Gäste im Brauhaus einen „Halven Hahn“ bestellt haben und fest davon überzeugt waren, jetzt ein halbes Hähnchen serviert zu bekommen. Wir haben das dann manchmal einfach laufen lassen. Und wenn später „nur“ das Röggelchen mit Käse kam, war die Enttäuschung natürlich groß. Für einen Lacher sorgte es alle Mahle. Damit alle wie im Brauhaus üblich auch ordentlich satt wurden, haben wir dann einfach noch ein Schnitzel nachbestellt. Die berühmte Altbier-Bestellung im Brauhaus habe ich auch einige Male erlebt: Wenn jemand ein Alt bestellt hat, ließ der Köbes das Bier gerne mal drei Runden auf dem Tablett stehen, bevor es schließlich doch am Tisch ankam. Solche kleinen kölschen Eigenheiten gehören einfach dazu.

Gab es ein Ereignis, das dir besonders emotional in Erinnerung geblieben ist?
Die 100-Jahr-Feier mit dem Zirkus Roncalli war für mich ein ganz besonderes Erlebnis. Das war unglaublich beeindruckend und hat perfekt zu FRÜH gepasst. Familienfest, Gemeinschaft, Zusammenhalt – genau das macht eine Familienbrauerei aus. Man hat dort gemerkt, wie wichtig bei FRÜH das Thema „Familie“ wirklich genommen wird. Dieses Event bleibt mir definitiv in besonderer Erinnerung.

Welches kleine Detail, etwa eine bestimmte Arbeits-Routine oder ein wiederkehrendes Ritual, macht deinen Alltag bei FRÜH besonders?
Wahrscheinlich meine direkte Art.Ich habe immer gerne meinen Senf dazugegeben – vor allem dann, wenn sich jemand aus meiner Sicht grundlos über Dinge beschwert hat. Mein Standardspruch war oft: „Stell dich nicht so an“. Für mich ging es immer darum anzupacken und Lösungen zu finden. Lieber zum Hörer greifen, miteinander reden und Dinge lösen, statt Probleme endlos zu zerdenken. Ich hoffe schon, dass genau das in all den Jahren auch deutlich geworden ist.

Was wünschst du FRÜH für die Zukunft – und was kommt jetzt privat?
Für FRÜH wünsche ich mir vor allem, dass die Qualität kompromisslos beibehalten wird. Qualität muss immer an erster Stelle stehen. Und ich glaube auch: Man muss nicht jeder Innovation hinterherlaufen. Manche Dinge brauchen Zeit, damit sie ordentlich und sorgfältig umgesetzt werden können – gerade bei größeren Projekten. Privat freue ich mich jetzt auf eine große Reise mit dem Wohnmobil zusammen mit meiner Frau. Wir möchten durch Amerika fahren – entlang der Route der Panamericana und durch ganz unterschiedliche Klima- und Wetterzonen. Darauf freuen wir uns riesig.

Was macht FRÜH aus deiner Sicht eigentlich besonders?
Viele denken bei FRÜH zuerst einfach „nur“ an herrliches Kölsch. Aber FRÜH ist viel mehr als „nur“ eine Brauerei. Wir haben einige eigengeführte Gastronomiebetriebe, ein modernes Hotel, einen Shop, Eventmanagement, Logistik und eine Großküche. Natürlich ist Kölsch brauen unser Kern – aber eben nicht alles. Und was das Bier angeht, sage ich immer: „Dunkel kann jeder.“ Wir sind stolz auf obergärig hell. Genau das macht uns aus.

Gibt es eigentlich einen FRÜH-internen Moment, über den du heute noch schmunzeln musst?
Ja – ich bin vermutlich der einzige technische Leiter, der aufgrund eines FRÜH-internen Insiders einmal ein eigenes Porträt im Wappensaal im FRÜH am Dom hängen hatte. Das war natürlich mit einem Augenzwinkern gemeint – aber genau solche Geschichten zeigen eben auch, wie familiär und besonders das Miteinander bei FRÜH immer war.

Gibt es einen Satz, der deine Zeit bei FRÜH gut zusammenfasst?
Ja: „Wer zu früh kommt, bleibt.“ Der Spruch hing damals schon bei meinem Vorstellungsgespräch auf dem Gelände – und er hat sich für mich absolut bewahrheitet. FRÜH ist eben ein echtes Familienunternehmen. Und genau deshalb bin ich am Ende fast 30 Jahre geblieben.

Das Interview führte S. Longerich

 

 

 

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