Auf ein Kölsch mit…
27 Jahre Verantwortung, Tradition und Weitblick
Zum 1. Januar 2026 verlässt Alexander Rolff nach über 27 Jahren die aktive Geschäftsführung der Cölner Hofbräu FRÜH. Als Gesellschafter bleibt er dem Unternehmen weiterhin verbunden. Im Interview blickt er zurück auf seinen Weg, prägende Momente und die Zukunft von FRÜH.
Herr Rolff, Sie haben 1999 die Leitung des Familienunternehmens FRÜH von Ihrem Vater übernommen. Wie haben Sie diese Verantwortung als Teil der Gründerfamilie erlebt?
Ich war damals sehr stolz, diese Aufgabe übernehmen zu dürfen. Gleichzeitig war es für mich eine ungewohnte Situation, weil ich zuvor etwa alle fünf Jahre etwas Neues gemacht hatte. Ich habe ursprünglich Maschinenbau studiert, parallel ein BWL-Studium absolviert und anschließend fünf Jahre in einer Unternehmensberatung gearbeitet. Als mein Vater mich fragte, ob ich mir vorstellen könne, das Unternehmen zu übernehmen, fand ich das eine sehr reizvolle Aufgabe. Mir war aber wichtig, vorher Branchenerfahrung zu sammeln – nicht als Lehrling ins Unternehmen zu kommen, sondern vorbereitet Verantwortung zu übernehmen.
Wie haben Sie diese Branchenerfahrung gesammelt?
Ich war dreieinhalb Jahre bei der Brauerei BECK‘S in Bremen. Zunächst als Assistent der Geschäftsführung mit verschiedenen Sonderprojekten, später als Leiter des Vertriebsinnendienstes mit rund 15 Mitarbeitenden. Dort habe ich erlebt, was Führung im Alltag bedeutet – inklusive schwieriger Situationen. Diese Zeit war sehr prägend und eine wichtige Vorbereitung auf meine spätere Rolle bei FRÜH.
Sie waren damals noch sehr jung. Gab es Zweifel oder Druck?
Nein, eigentlich nicht. Ich war jung und eher unbekümmert. Außerdem hatte ich immer den Wunsch, mich selbstständig zu machen und Verantwortung zu tragen. Natürlich wusste ich, dass das eine große Aufgabe ist, aber ich habe mich ihr gerne gestellt.
FRÜH ist ein traditionsreiches Familienunternehmen. Welche Werte waren Ihnen als Geschäftsführer besonders wichtig?
Der größte Vorteil eines Familienunternehmens ist aus meiner Sicht das langfristige Denken. Wir denken nicht in Quartalen oder Vertragslaufzeiten, sondern in Generationen. Daraus ergibt sich automatisch eine besondere Verantwortung – vor allem gegenüber den Mitarbeitenden. Man kennt sich oft über viele Jahre, teilt Lebenswege, Höhen und Tiefen. Dieses persönliche Verhältnis prägt auch die Unternehmenskultur. Mitarbeitende sind bei uns keine Nummern, sondern Menschen.
Da fällt mir der FRÜH-Slogan „Wer zu FRÜH kommt, bleibt“ ein. FRÜH lebt eine familiäre Arbeitsatmosphäre. Wie haben Sie es geschafft, dass sich heute über 600 Mitarbeitende wie Teil einer großen Familie fühlen?
Wir suchen bewusst nach Mitarbeitenden, die sich langfristig mit dem Unternehmen identifizieren möchten, und bieten im Gegenzug Sicherheit und Perspektiven. Das ist kein kurzfristiges Denken, sondern Teil unseres Verständnisses als Familienunternehmen. Wer sich für FRÜH entscheidet, soll sich hier auch dauerhaft zu Hause fühlen. Genau das spiegelt sich aus meiner Sicht in diesem Satz wider.
Unser Kölsch wird mit viel Erfahrung und Sensibilität gebraut, ganz im Sinne der Familientradition. Gab es Momente, in denen Sie besonders stolz auf eine gelungene Charge oder neue Technik waren – oder vielleicht insgeheim gedacht haben: ‚So gut kann nur FRÜH sein'?
Gute Bierqualität zeigt sich nicht in einer einzelnen besonders gelungenen Charge, sondern in Konstanz. Unser Anspruch ist, jeden Tag die gleiche hohe Qualität zu liefern. Wir könnten an Rohstoffen oder Prozessen sparen, tun das aber bewusst nicht. Dass wir dafür regelmäßig ausgezeichnet werden, bestätigt diesen Weg.
FRÜH steht nicht nur für Bier, sondern auch für echt kölsche Gastlichkeit in unseren Brauhäusern. Gibt es eine persönliche Köbes- oder Gäste-Anekdote, die für Sie zeigt, was die Seele von FRÜH ausmacht?
Da gibt es viele, aber eine ist mir besonders im Gedächtnis geblieben: Als Jugendlicher war ich mit meinen Eltern spätabends im Brauhaus FRÜH am Dom. Ich bestellte eine Cola, worauf der Köbes nur meinte: „Was willst du denn mit dem amerikanischen Fleckenwasser?“ Das war typisch kölsch, typisch Brauhaus und ist mir bis heute im Kopf geblieben.
Welche Momente Ihrer Zeit als Geschäftsführer waren besonders prägend?
Vor allem die vielen großen Projekte: Investitionen, Erweiterungen, Übernahmen, der Ausbau der Gastronomie, strukturelle Veränderungen. Wenn man zurückblickt, sieht man erst, wie viel sich entwickelt hat. Als ich angefangen habe, hatten wir rund 240 Mitarbeitende, heute sind es etwa 600. Prägend waren aber auch die vielen persönlichen Begegnungen mit Kolleginnen und Kollegen.
Als Geschäftsführer mussten Sie sicher auch schwierige Entscheidungen treffen. Gibt es eine Entscheidung, die Ihnen bis heute besonders in Erinnerung geblieben ist – vielleicht sogar mit einem kleinen Schmunzeln im Nachhinein?
Als Geschäftsführer gibt es einen Vorfall mit Rewe, der mir besonders im Gedächtnis geblieben ist. Wir hatten insgesamt sechs Gesprächsrunden, in denen wir leider keine Einigung erzielen konnten. Rewe hat uns dann als „Crashlieferant“ eingestuft, mit der Absicht unseren Absatz zu verringern und uns aus dem Sortiment zu entfernen. Das war jedoch nicht so einfach, denn den Kölnern kann man FRÜH Kölsch in ihrem Supermarkt nicht einfach wegnehmen. Das Kundenverhalten blieb unverändert positiv. Amüsanterweise hatte diese Einstufung somit keinen negativen Einfluss auf unseren Umsatz. Nach über einem Jahr fanden wir schließlich doch wieder zueinander, und ich treffe den Einkäufer regelmäßig auf Branchenveranstaltungen – oft mit einem Schmunzeln über diese Erfahrung.
Zum 1. Januar 2026 übergeben Sie die Geschäftsführung an einen familien-externen Nachfolger. Wie fühlt es sich an, die Verantwortung abzugeben??
Sehr gut. Mein Nachfolger war mein Wunschkandidat. Ich kenne ihn seit 15 Jahren und weiß, wie er denkt und handelt. Das gibt mir ein sehr beruhigendes Gefühl. Ich kann die Verantwortung ruhigen Gewissens abgeben.
Welchen Rat geben Sie ihm mit auf den Weg?
Bei jeder Entscheidung zu überlegen, wie sie sich auf die nächste Generation auswirkt. Dieses langfristige Denken ist essenziell für ein Familienunternehmen – auch wenn es von einem externen Geschäftsführer geführt wird.
Welche Herausforderungen sehen Sie für die Zukunft von FRÜH?
Wir müssen uns mit Sicherheit mit einem veränderten Konsumverhalten auseinandersetzen. Wir stellen überwiegend Produkte mit Alkohol her und bieten diese auch in unserer Gastronomie schwerpunktmäßig an. Dieser Konsum ist rückläufig. Darauf müssen wir reagieren, indem wir neue Ansätze, neue Lösungen und möglicherweise auch neue Produkte entwickeln.
Gleichzeitig stellt sich die Frage, ob unsere gastronomischen Konzepte in allen Punkten noch zu hundert Prozent passen oder ob an der einen oder anderen Stelle Anpassungen notwendig sind. Das haben wir in der Vergangenheit ja auch schon gemacht. Was früher undenkbar war, ist heute selbstverständlich.
Dabei geht es immer um den Spagat zwischen Tradition und dem, was die Gäste heute erwarten. Am Ende ist es ganz einfach: Egal ob in der Brauerei oder in der Gastronomie – am Ende entscheidet immer der Kunde.
Und persönlich: Nach 27 Jahren Geschäftsführung beginnt nun ein neuer Lebensabschnitt. Worauf freuen Sie sich besonders?
Auf mehr Zeit – für Familie, Reisen, Hobbys und ganz banal: darauf, mein miserables Golf-Handicap zu verbessern. Vor allem freue ich mich darauf, Dinge bewusster zu tun und auch mal wirklich abzuschalten.
Was würden Sie gerne zum Schluss noch mitteilen?
Dass es mir bis zum letzten Tag große Freude macht, hier zu sein. FRÜH war und ist für mich mehr als ein Unternehmen – es ist ein Stück Familie. Und ich bin überzeugt, dass dieser Geist auch in Zukunft weitergetragen wird.
Wir, die Mitarbeitenden der Cölner Hofbräu FRÜH, danken Herrn Alexander Rolff von Herzen für seine über 27-jährige engagierte und verantwortungsbewusste Führung. Mit großem Engagement, Weitblick und Herz hat er unser Unternehmen und die Veedels-Gemeinschaft entscheidend geprägt. Unter seiner Leitung ist unser Unternehmen gewachsen, wurden zahlreiche Projekte umgesetzt und wichtige Weichen für die Zukunft gestellt. Wir wünschen ihm für seinen neuen Lebensabschnitt alles Gute und freuen uns, dass er FRÜH als Gesellschafter weiterhin verbunden bleibt.
Das Interview führte S. Longerich
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